In der Archäologie (gr. ἀρχαῖος archaios „alt“ und -logie; auch Altertumskunde) wird, meist in enger Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern, der kulturellen Entwicklung der Menschheit nachgegangen. Die Archäologie interessiert sich ausschließlich für den Menschen und umfasst einen Zeitabschnitt, der von den ersten Steinwerkzeugen vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis hin zur Neuzeit reicht. Erkenntnisse zu Umwelt, Klima, Ernährung oder Alter von Funden tragen so zur Rekonstruktion vergangenen Alltags und Kultur bei.
Obwohl die Archäologie eine verhältnismäßig junge Wissenschaft ist, ist es kaum mehr möglich, alle Zeiträume zu überblicken, sodass sich verschiedene Fachrichtungen der Archäologie herausbildeten. Die Aufteilung ist entweder thematisch (z. B. christliche Archäologie) oder regional spezialisiert (z. B. Vorderasiatische Archäologie). Obwohl die Methodik sich großteils ähnelt, können die Quellen unterschiedlich sein.
In der Vor- oder Urgeschichte hat man es hauptsächlich mit materieller Kultur zu tun, während in der Frühgeschichte ähnlich wie in den Geschichtswissenschaften, schon auf erste Schriftquellen zurückgegriffen werden kann. Die Ausrichtungen der Archäologie repräsentieren meist bestimmte Zeitabschnitte oder Regionen, die in den einzelnen Regionen der Welt unterschiedlich datiert sein können, aber teilweise überall zu dokumentieren sind, z. B. der Übergang von Jäger-Sammlern zu Bauern mit domestizierten Tieren oder die Entstehung der ersten Städte.
Selbst die materiellen Hinterlassenschaften der jüngsten Geschichte (beispielsweise Konzentrationslager und Bunkerlinien aus dem Zweiten Weltkrieg) werden heute mit archäologischen Methoden ausgewertet (allerdings ist dieser Ansatz einer „zeitgeschichtlichen“ Archäologie nicht unumstritten). Die Archäologie hat sich dabei weltweit zu einem Verbund unterschiedlichster theoretischer und praktischer Fachrichtungen und Forschungen entwickelt.
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Die in der Renaissance einsetzende Wiedergeburt klassisch-antiker Gelehrsamkeit führt im 15. und 16. Jahrhundert zu einem gesteigerten Interesse an den griechischen und römischen Altertümern und zu einer Welle der Sammelleidenschaft antiker Kunstgegenstände. Doch auch die weniger reisefreudigen Gelehrten beginnen sich zunehmend für die vorhandenen Zeugnisse vergangener Zeiten zu interessieren.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts tritt an die Stelle der Sammelleidenschaft die akribische Erfassung der Denkmäler. In dieser Zeit werden zahlreiche Enzyklopädien und Kataloge veröffentlicht, welche im späten 16. Jahrhundert vielfach mit Kupferstichen und Holzschnitten illustriert werden. In England veröffentlicht William Camden (1551-1632) im Jahre 1586 seine Britannia, einen Katalog der sichtbaren Altertümer. Bemerkenswert ist, dass er bereits Bewuchsmerkmale in einem Kornfeld bemerkte und als solche interpretierte.
Bernard de Montfaucons L'Antiquité expliquée erscheint ab 1719. In 10 Bänden stellt er Kunstgegenstände aus dem gesamten Mittelmeerraum dar. Montfaucons Werk bleibt für lange Zeit ein Standardwerk.
In Skandinavien werden Bodendenkmäler schon sehr früh beachtet. Bereits 1588 gräbt man einen Dolmen bei Roskilde aus. 1662 erhält Uppsala (Schweden) einen Lehrstuhl der Altertumskunde. 1685 wird in Cocherel im Dep. Haute Normandie, bei Evreux, (Frankreich) eine neolithische Grabkammer entdeckt und ausgegraben. Sie gilt als die älteste archäologische Grabung, weil hierbei der erste erhaltene Grabungsbericht erstellt wird. Der Kieler Professor Johann Daniel Major führt dann um 1690 umfangreiche Ausgrabungen in Jütland durch und lässt zahlreiche Hügelgräber öffnen. Sein Ziel ist es, die Herkunft der Einwohner der Halbinsel mit archäologischen Methoden zu klären.
Trotz großer Popularität hatte die Archäologie als Wissenschaft aber noch keinen wirklichen Stellenwert, denn es herrschte die Ansicht vor, dass ausschließlich historische Quellen und die Bibel zur Interpretation der Vergangenheit geeignet seien. So galt es noch lange als ein Faktum, dass - wie James Ussher aus der Bibel ableitete - die Menschheit im Oktober 4004 v. Chr. entstand. 1655 wagt es Isaac de la Peyrère die so genannten „Donnerkeile“ (Steinzeitartefakte) Menschen zuzuordnen, welche vor Adam lebten (Prä-Adamiten-These). Nach einer Intervention der Inquisition widerruft er seine Theorie. Michele Mercati (1541-1593) gilt als der erste europäische Gelehrte, der Steinwerkzeuge eben als solche einstufte. Sein Werk wird jedoch erst 1717 veröffentlicht.
Archäologische Forschungsmethoden setzen sich nun sukzessiv durch. Oftmals treffen einzelne Gelehrte schon früh bahnbrechende Schlussfolgerungen, welche aber - da noch nicht zeitgemäß - oft weitgehend unbeachtet bleiben. Einer dieser Bahnbrecher war der französische Amateurarchäologe Jacques Boucher de Perthes, der als erster prähistorische Artefakte richtig zuordnete, wofür ihm aber erst mehr als 20 Jahre später durch die Bestätigung Charles Lyells (1797-1875) Anerkennung zuteil wurde. Eine wichtige Erkenntnis war dabei die Entdeckung des stratigraphischen Prinzips. Bereits lange vorher war die Zusammengehörigkeit und somit Gleichaltrigkeit von Funden, welche sich in einer Schicht befanden (beispielsweise ein Steinartefakt im Fundzusammenhang mit einer ausgestorbenen Tierart), immer wieder diskutiert, wurde aber nicht allgemein akzeptiert.
Ein weiteres Modell, das in seinen Grundzügen noch heute gilt, wurde von 1837 von Christian Jürgensen Thomsen entworfen. Er war Kurator in Kopenhagen und erfand das „Drei-Perioden-System“, das die Geschichte der Menschheit in drei Phasen einteilt, nämlich die Steinzeit, die Bronzezeit und die Eisenzeit. Etwa 30 Jahre später, um 1865, unterschied J. Lubbock die Steinzeit noch in die des geschlagenen und die des geschliffenen Steins. Die Begriffe „Paläolithikum“ (Altsteinzeit) und „Neolithikum“ („Neu-“/Jungsteinzeit) waren geboren. Die Epochen sind in sich vielfach untergliedert, aber die damals gefundene Unterteilung gilt - mit Einschränkungen - bis heute.
Die ersten großen Ausgrabungen finden in den antiken Städten Pompeji und Herkulaneum statt. Beide waren am 24. August 79 n. Chr. durch einen Ausbruch des Vesuvs ausgelöscht worden. Pompeji wird Ende des 16. Jahrhunderts beim Bau einer Wasserleitung wiederentdeckt. 1748 beginnen die Grabungen. In Herkulaneum wird erstmals 1709 gegraben, 1738 lässt Karl III. von Neapel die Stadt gezielt ausgraben. 1768 kann das Theater, die Basilika und die Villa der Papyri freigelegt werden.
Mit seinem Sendschreiben von den herkulanischen Entdeckungen, der ersten archäologischen Publikation, begründet Johann Joachim Winckelmann 1762 die neue Wissenschaft der Archäologie und gilt seither als Vater der (klassischen) Archäologie. Winckelmann ist auch der Erste, der eine Periodisierung und geschichtliche Einordnung der griechischen Kunst versucht. Seine Entwicklungsstufen (alter Stil - hoher Stil - schöner Stil - Stil der Nachahmer - Verfall der Kunst) sind durch die enthaltene Wertung jedoch schon lange überholt. 1802 wird an der Universität Kiel der erste Lehrstuhl für klassische Archäologie eingerichtet.
Die Ägyptischen Baudenkmäler, allen voran natürlich die Pyramiden, sind bereits im Altertum beliebte Reiseziele (siehe Weltwunder). Im 17. Jahrhundert hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es sich hierbei um Königsgräber handelt. Die Ägyptologie nimmt mit Napoléon Bonapartes Ägypten-Feldzug 1798 ihren Anfang. In Begleitung des Heeres befinden sich auch Wissenschaftler. Von besonderer Bedeutung ist der Fund des Steins von Rosetta, welcher 1822 Jean-François Champollion die Entzifferung der Hieroglyphen ermöglicht.
Von besonderer Bedeutung für die ägyptische Archäologie ist Auguste Ferdinand François Mariette (1821-1881), welcher ab 1858 als Direktor des ägyptischen Altertümerdienstes mehr als dreißig Fundstätten ausgräbt. Seine Methoden sind brachial (beispielsweise Sprengladungen). Fundumstände und wissenschaftliche Auswertungen interessieren ihn nicht sehr, aber er beendet die Ära der reinen Schatzsucher (so Giovanni Battista Belzoni (1778-1823)), welche zuvor zahllose Funde nach Europa geschafft haben. Mariette selbst hat seit 1850 rund 7000 Objekte nach Paris (Louvre) gebracht. Nun setzt er sich jedoch vehement dafür ein, dass Ägyptens Altertümer nicht mehr außer Landes verschleppt werden. Zur Aufbewahrung der Funde gründet Mariette den Vorläufer des Ägyptischen Nationalmuseums in Kairo. Karl Richard Lepsius (1810-1884) erstellt zwischen 1842 und 1845 eine umfassende Aufnahme ägyptischer und nubischer Denkmäler. 1859 wird das Ergebnis in den zwölf Bänden der Denkmaeler aus Aegypten und Aethiopien veröffentlicht, welche allein 894 Farbtafeln enthalten. Um die archäologische Erforschung Griechenlands machte sich um 1840 besonders Ludwig Ross verdient, der als erster systematische Ausgrabungen auf der Akropolis von Athen durchführte.
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt sich die Archäologie zunehmend zur Wissenschaft. Unterscheiden sich die Ausgräber bisher nur unwesentlich von Schatzsuchern und Grabräubern, werden nun die Grabungstechniken verfeinert, eine gute Dokumentation und exakte Einordnung der Funde immer wichtiger.
Antoine Ives Goguet (1716-1758) hat bereits 1738 die Auffassung vertreten es müsse drei Stufen prähistorischer Technologie (Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit) gegeben haben. Durchsetzen konnte sich das Dreiperiodensystem jedoch erst mit dem Dänen Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865), welcher erstmals ein Museum (1819) nach diesem Prinzip ordnet. Sir John Lubbock (1834-1913) führt 1865 eine weitere Unterteilung der Steinzeit in Paläolithikum (Altsteinzeit) und Neolithikum (Jungsteinzeit) ein.
Erst ab 1859 wird das hohe Alter der Menschheit allgemein anerkannt. Im selben Jahr erscheint Darwins Entstehung der Arten. Der bereits 1856 entdeckte Fund des Neandertalers, welcher von Johann Carl Fuhlrott und Hermann Schaaffhausen vergeblich als eiszeitlich eingestuft wurde, kann sich als solcher in Deutschland erst ab 1902 durchsetzen, als Rudolf Virchow stirbt, der als pathologische Autorität jede weiterführende Diskussion unterbunden hatte.
In Schweden entwickelt Oscar Montelius (1843-1921) ein System der differenzierten Typologie zur Einordnung (Periodisierung) von Fundstücken und schafft die Grundlage einer relativen Chronologie.
1853/54 werden aufgrund eines ungewöhnlich niedrigen Wasserstandes bei Obermeilen am Zürichsee hölzerne Pfeiler, Steinbeile und Keramik entdeckt. Die Siedlung wird von Dr. Ferdinand Keller untersucht. Lange Zeit glaubt man, bei diesen Feuchtbodensiedlungen hätte es sich um Pfahlbauten im Wasser gehandelt. Derartige Rekonstruktionen (beispielsweise in Unteruhldingen am Bodensee) gelten heute jedoch als falsch.
Edouard Lartet (1801-1871) untersucht 1860 eine Fundstätte in den Pyrenäen (Massat) und findet dabei auch eine Geweihspitze mit eingraviertem Bärenkopf, der erste Fund jungpaläolithischer Kunst. Später gräbt er mehrere französische Höhlenfundplätze (Gorge d'Enfer, Laugerie Haute, La Madeleine und Le Moustier) aus. Besondere Aufmerksamkeit erlangen die großartigen Höhlenmalereien, welche 1879 in der Höhle von Altamira entdeckt werden.
Die archäologische Erforschung der Kelten beginnt 1858, als Oberst Schwab die ersten Ausgrabungen in La Tène am Neuenburger See (Schweiz) durchführt. 1846 beginnen die Ausgrabungen in Hallstatt. 1872 wird die Eisenzeit Europas erstmalig in eine ältere Phase (Hallstattzeit) und einer jüngeren (La-Tène-Zeit) unterteilt.
Die Entwicklung der Klassischen Archäologie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird von Heinrich Schliemann (1822-1890) dominiert. Der Geschäftsmann und „Hobbyarchäologe“ Schliemann gilt als Begründer der Vorgeschichtsarchäologie Griechenlands und des ägäischen Raumes. 1869 gräbt er auf Ithaka und 1871 beginnt er in Hissarlik zu graben. Dort vermutet er das Troja Homers und wird recht behalten, obwohl er sich in der Bauperiode selbst täuschte. Seine Ausgrabungsmethoden waren sehr umstritten, so mancher Fachmann hält von Schliemanns Fähigkeiten nichts. Sein Ruhm stützt sich vor allem auf die wertvollen Funde (beispielsweise „Schatz des Priamos“). Seine Entdeckung prähistorischer (vorhomerischer) Kulturen und Siedlungen löst zahlreiche weitere Grabungen im ägäischen Raum aus.
Einen Meilenstein der archäologischen Forschung stellt Sir William Matthew Flinders Petrie (1853-1942) dar, welcher seit 1880 als Archäologe in Ägypten forscht und ausgräbt. 1904 veröffentlicht er seine Methoden und Ziele der Archäologie in denen er vier Prinzipien darlegt:
1913 erscheint der erste Band des Handbuchs der Archäologie (Herausgeber: Heinrich Bulle (1867-1945)). Als vorbildliche Grabung dieser Zeit gilt die 1922 begonnene Ausgrabung des Gräberfeldes von Assini (Argolis), welche von schwedischen Archäologen vorgenommen wird. Der gesamte Aushub wird gesiebt und eine erstklassige Grabungsdokumentation erstellt. Der berühmteste archäologische Fund des 20. Jahrhunderts gelingt Howard Carter (1873-1939) im selben Jahr. Er findet nach sechsjähriger Suche das Grab des Tut-anch-Amun.
Als Pionier der Luftbildarchäologie betätigt sich nach dem 1. Weltkrieg der britische Pilot Osbert G. S. Crawford und fotografiert vom Flugzeug aus archäologische Fundstätten in England.
Gustaf Kossinna (1858-1931) stellt 1920 seine siedlungsarchäologischen Methoden vor und gilt als Pionier der Siedlungsarchäologie. Seine Interpretationen, welche den Germanen eine überragende kulturelle Bedeutung bescheinigen, dienen dem Nationalsozialismus als Beweis für die Überlegenheit der Germanen und der arischen Rasse.
Thor Heyerdahl fährt 1947 mit einem Floß von Südamerika nach Polynesien und kann als Begründer der Experimentellen Archäologie betrachtet werden.
1958 entdeckt der britische Archäologe James Mellaart das frühneolithische Çatalhöyük.
Im 20. Jahrhundert greift die Archäologie vermehrt auf Techniken anderer Wissenschaften zurück. Als Beispiele seien die 1949 entwickelte 14C-Datierung zur Datierung von organischen Stoffen und die Strontiumisotopenanalyse zur Erforschung der Wanderbewegungen der ur- und frühzeitlichen Menschen genannt. Die Archäologie hat sich zur Verbundwissenschaft entwickelt. Die Erforschung der 1991 in den Ötztaler Alpen gefundenen vorgeschichtlichen Leiche (Similaun-Mann/Ötzi) ist hierfür beispielhaft. Mit Hilfe der DNA-Analyse konnten weltweit erstmals die Verwandtschaftsbeziehungen von 40 Individuen aus einer bronzezeitlichen Begräbnisstätte in der Lichtensteinhöhle rekonstruiert werden.
Archäologie ist ein Sammelbegriff vieler archäologischer Disziplinen, welche meist bestimmte Zeitabschnitte oder Regionen bezeichnen. Die einzelnen Disziplinen unterscheiden sich nicht nur im behandelten Forschungsgegenstand, sondern auch in den verwendeten Methoden, z. B. bei der Unterwasserarchäologie. Daneben bilden archäologische Methoden einen Teilaspekt einer eigenständigen Wissenschaft, beispielsweise in der Forensik. In Fächern wie der Altamerikanistik oder auch der Klassischen Archäologie können die inhaltlichen Schwerpunkte nicht-archäologischer Natur sein.
Die Disziplinen der Archäologie unterscheiden sich thematisch, zeitlich und räumlich. Dementsprechend unterschiedlich sind die Quellen derer sie sich bedienen. Während in der Prähistorischen Archäologie keine oder sehr spärlich schriftliche Quellen vorliegen und man sich vorwiegend der materiellen Hinterlassenschaften dieses Zeitabschnitts bedient, können andere sich schon der ersten Schriftquellen bedienen.
Die nachfolgenden Disziplinen stellen geografische Schwerpunkte dar:
Archäologische Forschungsmethoden gliedern sich in solche der Quellenerschließung und solche der Quelleninterpretation. In der Öffentlichkeit wird meist nur die Erschließung der Quellen zur Kenntnis genommen. Zur Quellenerschließung zählt auch deren typologische und chronologische Auswertung, die per se ja noch keine historische Einordnung darstellt. Nach der Quellenerschließung und Aufbereitung steht die historische Interpretation, die für prähistorische Zeiten zwangsläufig auf ethnographischen oder historischen Analogien beruhen muss. Für die historischen Archäologien, wie der Vorderasiatischen Archäologie, der klassischen Archäologie oder der Archäologie des Mittelalters steht die Interpretation der materiellen Quellen in Interaktion mit der schriftlichen Überlieferung im Vordergrund. Trotz aller naturwissenschaftlicher Forschungsmethoden ist die Archäologie damit primär eine Geisteswissenschaft.
Hauptartikel: Ausgrabung
Die Ausgrabung ist zwar die bekannteste Forschungsmethode, jedoch nur ein kleiner Teilbereich der archäologischen Arbeit. Die Dokumentation, Auswertung, Konservierung und Archivierung der Funde stellt den weitaus größten Teil der archäologischen Tätigkeit dar.
Die meisten Fundplätze werden heute durch Baumaßnahmen entdeckt. Über Notgrabungen, auch Rettungsgrabungen genannt, versucht die archäologische Denkmalpflege diese Befunde vor ihrer endgültigen Zerstörung auszuwerten. Seltener sind Forschungsgrabungen, bei denen unter primär wissenschaftlichen Interessen Fundplätze zur Grabung ausgewählt und ohne äußeren Zeitdruck untersucht werden können.
Eingeleitet wird eine Ausgrabung durch Archäologische Voruntersuchungen: Suchgräben, magnetische Sondierung, Bodenwiderstandsmessung, Luftbildarchäologie etc. kommen hier zum Einsatz. Jede Methode dient dazu sich ein Bild der potenziellen Grabungsstelle zu machen, um die eigentliche Grabung besser planen zu können.
Eine moderne Grabung ist befundorientiert, d. h. die einzelnen Funde werden in ihrer räumlichen und zeitlichen Einbettung auf Befunde bezogen. Hierzu werden verschiedene Grabungstechniken und Methoden (Stratengrabung versus Schichtengrabung) angewandt.
Da jede Ausgrabung zur Zerstörung eines Befundes führt, soll eine exakte Dokumentation den Fundplatz, zumindest auf dem Papier, auch später bis ins Detail rekonstruierbar machen. Das wichtigste Arbeitsmittel der Ausgrabung ist deshalb, neben der Kelle, „Papier und Buntstift“.
Hauptartikel Prospektion (Archäologie)
Die Prospektion umfasst zerstörungsfreie Methoden, mit deren Hilfe eine Untersuchung potenzieller oder bekannter Fundplätze ermöglicht wird. Teilbereiche sind die Geländebegehung (Survey), die Luftbildarchäologie und geophysikalische Methoden (Geoelektrik, Elektromagnetische Induktion, geomagnetische Kartierung, Bodenradar). Ebenfalls prospektiv einsetzen lässt sich die Phosphatanalyse.
Hauptartikel Bauforschung
Die Bauforschung ist ein wesentlicher Teil sowohl der klassischen Archäologie als auch der Archäologie des Mittelalters; wohingegen sie in der Ur- und Frühgeschichte mangels aufgehend erhaltener Bauwerke nur eine untergeordnete Rolle spielt. Eine der Dokumentationsmethoden ist die Photogrammetrie.
Gerade am sehr populären Beispiel der Gletschermumie Ötzi ist zu erkennen, dass die Ausgrabung nur einen Bruchteil der archäologischen Arbeit darstellt. Der 1991 entdeckte Fund wird bis heute wissenschaftlich untersucht.
Hauptartikel Altersbestimmung
Ein Schwerpunkt der Fundanalyse ist die Datierung der Befunde (z. B. Grab) anhand der Funde (z. B. Grabbeigabe). Bei der Altersbestimmung wird zwischen absoluter Chronologie und relativer Chronologie unterschieden.
Die relative Chronologie setzt einen Fund dabei in Bezug zu einem anderen. Ist er jünger, älter oder gar gleichzeitig? J.J. Winckelmanns „vergleichendes Sehen“ ist eine der ersten Methoden zur relativen Chronologie.
Bei der absoluten Chronologie wird ein Fund mittels naturwissenschaftlicher Methoden datiert.
Die Typologie oder besser Typographie ist die Klassifikation von Objekten nach Kriterien von Form und Material. Sie ist grundlegend für die Einordnung des Fundmaterials, da sie Vergleiche mit Fundsituationen an anderen Fundplätzen ermöglicht und zur Grundlage von Kombinationsanalysen (zur relativchronologischen Datierung wie zur sozioökonomischen Einordnung) und Verbreitungsanalysen wird.
Materialbestimmungen erfolgen häufig mit Hilfe der Archäometrie. Unter dem Begriff Archäometrie werden alle naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden archäologischer Funde und Fundstätten zusammengefasst. Aus der Beschäftigung dieser naturwissenschaftlichen Fächer mit archäologischem Material und archäologischen Fragestellungen haben sich eigene Spezialgebiete entwickelt.
Zur Identifikation und Detailuntersuchung von Artefakten dienen u.a die Mikroskopie, Infrarot- und Ultraschallaufnahmen, Röntgen, chemische Analysen, Spektralanalysen und Laserscans.
Naturwissenschaftliche Methoden werden auch für die Prospektion (Archäologie)|Prospektion]] und die Altersbestimmung der Funde herangezogen.
Die Methoden der Interpretation sind in der Regel eher geisteswissenschaftlich. Für die prähistorische Archäologie ist der Analogieschluss die wesentliche Möglichkeit der Interpretation, in der historischen Archäologie (z. B. klassische Archäologie, Archäologie des Mittelalters, Archäologie der Neuzeit) ist es der Vergleich mit Informationen aus anderen Quellen, wie schriftlicher oder bildlicher Überlieferung.
In Deutschland gehört die Archäologie zu den Aufgaben der Bundesländer (= Landesarchäologie), meist als Bereich des Denkmalamtes als Bodendenkmalpflege organisiert. Größere Städte haben oft eine eigene Stadtarchäologie.
Deutsche Grabungen im Ausland werden hingegen im Rahmen von Forschungsprojekten der Universitäten, des Deutschen Archäologischen Instituts oder des Römisch-Germanischen Zentralmuseums durchgeführt.
Die Archäologie gehört in Amerika zur Anthropologie (Völkerkunde) und hat aus diesem Grund eine völlig andere Ausrichtung als die europäische Forschung. Dies folgt vor allem aus dem Umstand, dass zum Zeitpunkt der Besiedlung der neuen Welt zuerst ethnographische Untersuchungen an noch existierenden Ureinwohnern stattfanden. Die eher spärlichen präkolumbischen Funde sind ein weiterer Grund für den in der Erforschung kultureller Prozesse liegenden Schwerpunkt amerikanischer Archäologie.
Als Pionier der amerikanischen Archäologie gilt Thomas Jefferson (1743-1826), welcher ab 1784 einige Grabhügel untersucht, um ihr Alter zu bestimmen. Jefferson setzt dabei erstmalig eine Methode ein, die als Vorläufer der Dendrochronologie angesehen werden kann: er zählt die Jahresringe der auf den Grabhügeln stehenden Bäume.
Die ersten großen Ausgrabungen in Mittelamerika werden Ende des 19. Jahrhunderts im Mayazentrum Copán durchgeführt. 1911 entdeckt Hiram Bingham die Inkastadt Machu Picchu.
Im Jahre 1990 fanden Archäologen in der Nähe von Mexiko-Stadt über 10.000 Artefakte aus der Zeit der spanischen Eroberung des Landes. Man fand nicht nur menschliche Knochen, sondern auch Waffen, Kleidung, Haushaltsgeräte und Gegenstände aus dem persönlichen Besitz von Hernán Cortés. Die Fundstelle wurde als Weltkulturerbe vorgeschlagen.
Hauptartikel: Der Tross des Pánfilo de Narváez
1863 wird in Indien die Archaeological Survey of India gegründet. 1921/1922 entdeckt man eine der ältesten Hochkulturen der Menschheit, die Indus-Kultur. Ausgegraben werden u. a. die Städte Harappa und Mohenjo-Daro.
Archäologie in China beginnt mit dem schwedischen Geologen J. Gunnar Andersson (1874-1960), welcher 1921 bei Yang Shao Tsun in Honan eine neolithische Wohnhöhle entdeckt und damit beweist, dass China in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt war. 1928 wird Anyang ausgegraben, die Hauptstadt der Shang-Dynastie des 2. Jahrtausends v. Chr.
1974 wird die Terrakottaarmee rund um das Grab des chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi bei Xi'an entdeckt.
Dass Afrika die Wiege der Menschheit ist, ist heute aufgrund aufsehenerregender paläoanthropologischer Funde, wie „Lucy“, einem Australopithecinen-Skelett, unumstritten. Gentechnische Untersuchungsmethoden untermauern diese Annahme, bekannt geworden als „Eva-Theorie“. In Afrika beginnt auch die Vor- oder Urgeschichte viel früher als andernorts in der Welt, nämlich schon vor etwa 2,5 Millionen Jahren mit den ältesten Steingeräten.
Bereits seit dem 17. Jahrhundert ist der Nordosten Afrikas Gegenstand intensiver Forschungen durch die Ägyptologie und Koptologie. Diese Region des Kontinents ist auch im internationalen Vergleich hervorragend dokumentiert. Da jedoch die ältesten Schriftquellen des übrigen Afrikas nicht weiter als 600 Jahre zurückreichen, kommt der Archäologie gerade hier eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund der kurzen Forschungstradition im Vergleich zu Mitteleuropa steht man hier allerdings noch vielfach am Anfang.
Die Vermittlung archäologischer Forschungsergebnisse erfolgt auf verschiedene Weise:
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux femmes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."