Kurland (lettisch Kurzeme) ist neben Semgallen (Zemgale), Oberlettland (Augšzeme), Zentral-Livland (Vidzeme) und Lettgallen (Latgale) eine der fünf historischen Landschaften Lettlands.
Kurland liegt südwestlich des Flusses Daugava (Düna) und bezeichnet den von Ostsee und Rigaischem Meerbusen umfassten Westteil des Landes um die Städte Liepāja (Libau) und Ventspils (Windau). Die Hauptstadt Kurlands war bis 1919 Jelgava (Mitau). Nördlichster Punkt Kurlands ist Kap Kolka. Kurland umfasst eine Fläche von 13.628,28 km². Das Gebiet ist mit Ausnahme der hügeligen Gegend um Talsi (Talsen) in der Kurländischen Schweiz relativ flach. Hauptfluss ist die Venta (Windau).
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Die Kuren traten zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert ins Licht der Geschichte. Gemeinsam mit den Prußen, hatten sie zu dieser Zeit die führende Rolle unter den baltischen Stämmen inne. Bereits Mitte des 7. Jahrhunderts war Kurland von einer protowikingerischen Dynamik betroffen. Nordische Sagas, die jedoch erst im 13. Jahrhundert aufgezeichnet wurden, schildern die Taten der Könige Ivar Vidfamne (Ívarr inn víðfaðmi – 655 bis 695 n. Chr.) und Harald Hildetand aus dem Geschlecht der Skjödungar. Ivar Vidfamne soll das Baltikum und die Gegend um Gardarike in Karelien erobert haben. Von dauerhafter Landnahme kann aber keine Rede sein, denn das Reich zerfiel mit seinem Tod. Sein vermutlicher Enkel Harald Hildetand soll die Landstriche erneut unter schwedische Herrschaft gebracht haben.
Ausgrabungen des schwedischen Forschers Birger Nerman bestätigen eine nordische Anwesenheit in Grobiņa (Seeburg) zwischen 650 und 750 n. Chr. Auf den drei Brandgräberfeldern skandinavischen Typs deuten die Waffen- und Schmuckfunde zwei Mal auf Gotland als Herkunftsgebiet. Das dritte auf das mittelschwedische Mälartal, das im Gebiet der Svea liegt.
In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts wurden in Suaslaukas in Lettland, Apuole in Litauen, Wiskiauten im Samland und Truso bei Elbing nordische Handelsniederlassungen gegründet. Skandinavische Funde aus der Zeit nach 800 sind dagegen im Baltikum selten. Grobin hielt sich bis etwa 850. Die Siedlung im Gebiet der Pruzzen erbrachte hingegen spätere Funde. Truso aus der Zeit um 900 und Wiskiauten sogar bis ins 11. Jahrhundert. Der Angelsachse Wulfstan, der das Gebiet der Pruzzen zwischen 880 und 890 n. Chr. besuchte, sah „viele Städte, in denen jeweils ein König gebot“.
In seiner „Vita sancti Anscharii“ von 876 erwähnt Rimbert, ein Schüler des Bischofs Ansgar von Bremen, Kämpfe zwischen dänischen und schwedischen Wikingern und den Kuren im Jahre 855. Als Ansgar Schweden (nach 850) zum zweiten Mal besuchte, erlitten die Dänen in Kurland eine vernichtende Niederlage. Rimbert erwähnt die Seeburg (Grobiņa) und Apulia (Apuole) und schreibt über die Kuren (die er Chori nennt), dass sie von den Schweden unterworfen waren aber das Joch bereits lange abgeschüttelt hatten. Der Svea-König Olof setzte mit einem Heer nach Kurland über. Sein Angriff richtete sich gegen die Seeburg, die geplündert und niedergebrannt wurde. Beim Angriff auf Apulia stieß er jedoch auf erheblichen Widerstand. Die Kuren unterwarfen sich letztlich jedoch und verpflichteten sich, Tribut zu entrichten und Geiseln zu stellen. Auf dem Schlachtfeld fanden die Archäologen eiserne Pfeilspitzen die im 9. und 10. Jahrhundert in Skandinavien üblich waren. Saxo Grammaticus berichtet über Angriffen auf Kurland, die zwischen 866 und 894 erfolgten. Die nordischen Beutezüge in Kurland stießen jedoch auf zu starken Widerstand und die Wikinger wandten sich in der Folgezeit anderen Landstrichen zu. Dass später die dänische Küste vor den Kuren, (auch von Slawen) angegriffen und von schwedischen Wikingern geschützt werden musste, beschreibt Snorri Sturluson in der Heimskringla. Er lebte in der Regierungszeit des dänischen Königs Waldemar II. (König 1202 - 1241). In Chroniken des 13. Jahrhunderts wird berichtet, dass die Kuren mehrmals Gebiete in Dänemark und Schweden plünderten. Adam von Bremen riet den Christen, die kurländische Küste zu meiden.
Dass kurische Waffen und Schmuckstücke nach Dänemark und Gotland gelangten, belegen Ziernadeln, Fibeln und Schwerter aus dem 10. Jahrhundert. Man fand Utensilien wie sie in der Umgebung von Klaipeda und Kretinga vorkamen an der gotländischen Küste. Das Grab in Hugleifs belegt die Anwesenheit von Kuren auf der Insel. Diese Funde deuten Handelsbeziehungen zu den Balten im 10. und 11. Jahrhundert an. Ein Bruchstück eines silbernen Halsrings mit sattelförmigem Ende eine Schmuckart, die im mittleren und östlichen Landesteil von Litauen und Lettland verbreitet war wurde auf Gotland bei Boters nahe Gerum - zusammen mit arabischen, byzantinischen, angelsächsischen und aus dem deutschen Raum stammenden Münzen gefunden. Ein weiterer Halsring desselben Typs wurde auf Öland entdeckt. Die isländische Egilssaga enthält eine Schilderung über den Lebensstandard der Kuren zu Beginn des 10. Jahrhunderts als die Wikinger Thorolf und Egil um 925 Kurland verheerten. Im 10. und 11. Jahrhundert wurden die Handelsbeziehungen beibehalten, sofern sie nicht durch Kaperfahrten skandinavischer Wikinger unterbrochen wurden.
Eine Feste mit der benachbarten Ortschaft wurde Zentrum des Stammesgebiets. In den Aufzeichnungen des 9. Jahrhundert sind in Kurland fünf Gaue angegeben, zu Beginn des 13. Jahrhunderts gab es acht. Die Einteilung in Gaue galt für das gesamte Baltikum. Mächtige Feudalherren dehnten im Lauf der Zeit ihren Machtbereich auf mehrere Gaue aus. Diese feudalistische Gesellschaftsstruktur konnte beibehalten werden, solange die Balten von Nachbarn umgeben waren, die eine ähnliche Sozialstruktur hatten. Die Situation änderte sich, als zwischen 1226 und 1230 an der Westgrenze die Deutschordensritter auftauchten, ein vom christlichen Europa unterstützter mächtiger Gegner.
Kurland ist nach dem baltischen Volk der Kuren benannt. Der Eigenname Kurš geht auf idg. krs zurück und bedeutet schnell beweglich auf See. Nach der gewaltsamen Unterwerfung der Region durch den Livländischen Orden und den Deutschen Ritterorden im 13. Jahrhundert gingen die Südkuren in den Pruzzen, Prußen und Ostpreußen sowie den Žemaiten, Samogiten, Samaiten und Niederlitauern auf, die Nordkuren in den Letten. Das Volk der Kuren besiedelte ursprünglich die gesamte Kurische Nehrung, Teile des Festlandes am Kurischen Haff, siedelte im Memelland nördlich der Minge (Landschaften Lamotina und Pilsaten) und besiedelte weite Teile des heutigen Nord-Žemaiten (Landschaft Ceclis). An der Küste befinden sich die kurischen Landschaften Megove (Gebiet Palanga) und Duvzare (Lettland). Neben Letten, Kuren und den fast ausgestorbenen Liven an der Nordspitze um Domesnäs/Kap Kolken wohnten in Kurland seit dem Mittelalter Deutsche und Schweden, sowie in der Neuzeit auch Russen.
Großgrundbesitzer und Stadtbürger, Pastoren, Ärzte (also die gebildeten Schichten) und auch Handwerksmeister waren vom Mittelalter bis weit in das 20. Jahrhundert größtenteils Deutsch-Balten. Die deutsche Sprache war die Sprache der Oberschicht, die lettische Sprache die Sprache der einfachen Leute.
Ende des 12. Jahrhunderts n. Chr. errichteten niederdeutsche Kaufleute und Missionare an der Düna Handels- und Missionsstationen. Kurland wurde Anfang des 13. Jahrhunderts vom Schwertbrüderorden unterworfen; es wurden deutsche Städte gegründet, auf dem Land siedelten aber weiter die Kuren, nun unter deutscher Adelsherrschaft. 1237 vereinigte sich der Schwertbrüderorden mit dem Deutschen Orden.
Parallel dazu begann der Deutsche Orden von Kulm aus ab 1231 mit der Eroberung des Gebietes der Pruzzen, das durch Friedrich II. 1226 in der Goldenen Bulle von Rimini dem Orden als Ordensland übergeben worden war und 1234 formell dem Papst unterstellt wurde. 1309 eroberte der Orden Pommerellen von Polen und erhielt damit eine gemeinsame Grenze mit dem Heiligen Römischen Reich.
Durch die polnisch-litauische Union 1386 erhielt der Orden erstmals einen übermächtigen Gegner. Nach dem 2. Frieden von Thorn 1466 wurde der Ordensstaat geteilt. Der östliche Teil des Ordenslandes blieb in der Hand des Ordens, der Ordensstaat wurde gegenüber Polen lehnspflichtig. Pommerellen, das Kulmerland und Teile des ehemals prussischen Gebietes wurden zu einem weltlichen Herzogtum Preußen zusammengefasst, das in Personalunion mit Polen verbunden wurde (königliches Preußen, später größtenteils Provinz Westpreußen). Danzig, Thorn und Elbing wurden „freie“ Städte unter der Herrschaft des Königs von Polen („Polnische Krone“). Die nördlichen Gebiete von Kurland und Livland mit der Hauptstadt Riga blieben zunächst unabhängig unter Leitung eines Landmeisters des Ordens, erweckten jedoch Begehrlichkeiten Schwedens und Russlands.
Der erste russische Vorstoß wurde 1502 durch Landmeister Wolter von Plettenberg abgewehrt. Ein zweiter Vorstoß 1558 durch Iwan (Der Schreckliche) eröffnete den Livländischen Krieg (1558–1582). 1561 unterstellten sich, vertreten durch ihre Ritterschaften, Kurland und Livland polnischer Oberhoheit, um sich gegen die russische Bedrohung abzusichern. Polen geriet dadurch in Konflikt mit Russland und Schweden (Dreikronenkrieg). Nach dem Tod des kurländischen Herzogs Gotthart von Kettler teilten sich seine Söhne Wilhelm Kettler und Friedrich Kettler 1596 das Herzogtum in das westliche Kurland und das östliche Semgallen. Wilhelm überwarf sich mit dem Landadel, der durch die polnischen Oberherren unterstützt wurde, und musste schließlich das Land verlassen. Friedrich konnte 1616 daher wieder beide Landesteile unter sich vereinen. Durch den polnisch-schwedischen Krieg 1600–1629 um die Vorherrschaft im Baltikum war Kurland im Ergebnis weniger betroffen. 1629 eroberte Schweden Livland, Kurland blieb ein selbständiges Herzogtum unter polnischer Oberhoheit. Auch der südöstlichste Teil Livlands um Dünaburg blieb polnisch. Nach der Dritten Teilung Polens kam 1795 Kurland als „deutsche Provinz“ an Russland und bildete mit dem damaligen Estland (dem heutigen Nordteil der Republik Estland) und Livland eines der drei Ostseegouvernements, die vom deutsch-baltischen Adel jeweils autonom verwaltet wurden.
Unter Herzog Jakob Kettler hatte Kurland seine höchste wirtschaftliche Blüte erreicht. Der weltgewandte Herzog war ein Anhänger merkantiler Ideen und suchte Handelsbeziehungen nicht nur zu den direkten Nachbarn, sondern auch nach England, Frankreich, Portugal und anderen. Schiffbau und Metallverarbeitung wurden gefördert. Die kurländischen Hafenstädte Windau (Ventspils) und Liebau (Liepaja) wurden Heimathäfen einer der größten europäischen Handelsflotten. Mehrfach versuchte Kurland, Kolonien in Tobago und der Region Guinea aufzubauen. Dies führte zu Konflikten mit anderen Kolonialmächten und Einheimischen, die das kleine Kurland nur mit Schwierigkeiten bewältigte. Das Ende des kurländischen Kolonialismus kam mit dem zweiten schwedisch-polnischen Krieg: 1655 fiel die schwedische Armee in das reiche Kurland ein, 1658 geriet der Herzog in schwedische Gefangenschaft. Die Kolonien fielen an die Niederlande und England, die Handelsflotte wurde weitgehend vernichtet. Nach dem Friedensschluss konnte Tobago zwar zurück gewonnen werden, aber die Wirtschaftskraft Kurlands war zerstört.
Der Sohn von Herzog Jakob, Friedrich Kasimir Kettler, betrieb eine kostspielige Hofhaltung, während die Wirtschaft weiter darnieder ging. Zur Finanzierung verkaufte er Tobago an britische Kolonisten. (Weitere Informationen zur Geschichte der kleinsten Kolonialmacht Europas unter Kurländische Kolonisierung Amerikas und James Island.)
1726 wählten die Stände von Kurland auf Antrieb von Anna Iwanowna – Witwe des Friedrich Wilhelm Kettler und Tochter des Zaren Iwan V. – Moritz Graf von Sachsen zum Herzog. Durch russischen Einfluss verdrängt, ging Moritz 1729 wieder außer Landes. Nach dem Aussterben der Kettler-Dynastie 1737 wurde Ernst Johann von Biron Herzog, ein Günstling der Zarin Anna, der den Thron an seinen Sohn Peter weitervererbte.
██ Preußen, Polnisches Lehen
██ Herzogtum Kurland, Lithauisches Lehen
██ Schwedisches und Dänisches Livland
Der Frieden von Nystad (finnisch: Uusikaupunki) hatte am 10. September 1721 den Großen Nordischen Krieg zwischen Schweden und Russland beendet, Schweden musste danach die Provinzen Livland, Estland und Ingermanland sowie einen Teil Kareliens an Russland abtreten. Nach der Dritten Teilung Polens kam 1795 Kurland ebenfalls als „deutsche Provinz“ an Russland. Die durch Peter den Großen den Städten und Ritterschaften zugesicherten Privilegien ermöglichten allerdings eine autonome Selbstverwaltung. Durch Beschluss der baltischen Ritterschaften wurde 1816–1819 die Leibeigenschaft in Kurland, Estland und Livland aufgehoben.
Nach dem Ersten Weltkrieg kam Kurland zur selbständig gewordenen Republik Lettland, welche 1940 von der Sowjetunion okkupiert wurde. Die deutsch-baltische Volksgruppe wurde in der Folge des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes 1939 in die Gegend von Posen umgesiedelt, von wo sie später wieder vertrieben wurde.
Im Zweiten Weltkrieg war Kurland von 1941 bis zur deutschen Kapitulation von deutschen Truppen besetzt. Im Zuge der Baltischen Operation wurden hier 27 deutsche Divisionen blockiert. Allerdings wollte ein Teil der Heeresgruppe Kurland unter Panzermajor Fritz Töpper zunächst nicht kapitulieren, sondern sich zum „Freikorps“ nach Art der Baltikum-Freikorps von 1919 aufstellen. Töppers plante, jeder Familie ein Stück Ackerland zuzuteilen und sich unter den Schutz des neutralen Schweden zu stellen. Die Rote Armee verhinderte das letztendlich und Kurland wurde der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik angeschlossen. Im Jahr 1991 wurde dann mit der Neukonstituierung der lettischen Republik die Unabhängigkeit des Landes hergestellt.
deutsche Bezeichnungen: Kurland | Livland | Lettgallen | Semgallen | Oberlettland
lettische Bezeichnungen: Kurzeme | Vidzeme | Latgale | Zemgale | Sēlija oder Augšzeme
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux femmes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."