| Gesichtet | ||
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(zeige alle), freigegeben am 5. Juni 2008.
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| Wappen | Deutschlandkarte | ||||
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| Basisdaten | |||||
| Bundesland: | Sachsen-Anhalt | ||||
| Landkreis: | Wittenberg | ||||
| Höhe: | 67 m ü. NN | ||||
| Fläche: | 139,53 km² | ||||
| Einwohner: | 46.776 (31. Dez. 2006) | ||||
| Bevölkerungsdichte: | 335 Einwohner je km² | ||||
| Postleitzahl: | 06886 | ||||
| Vorwahl: | 03491 | ||||
| Kfz-Kennzeichen: | WB | ||||
| Gemeindeschlüssel: | 15 0 91 375
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| Gemeindegliederung: | 19 Stadtteile | ||||
| Adresse der Gemeindeverwaltung: | Lutherstraße 56 06886 Lutherstadt Wittenberg |
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| Webpräsenz: | |||||
| Oberbürgermeister: | Eckhard Naumann (SPD) | ||||
| Lage der Gemeinde Lutherstadt Wittenberg im Landkreis Wittenberg | |||||
Die Lutherstadt Wittenberg ist Kreisstadt des Landkreises Wittenberg im östlichen Teil des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Sie liegt an der Elbe zwischen Dessau-Roßlau im Westen, dem Fläming im Norden, der Dübener Heide im Süden und der Elbe-Elster-Region im Osten knapp 100 Kilometer südwestlich von Berlin und etwa 70 Kilometer nordöstlich von Leipzig.
Herausragende Bedeutung erlangte Wittenberg als eines der wichtigsten deutschen Zentren politischer, kulturgeschichtlicher und künstlerischer Bestrebungen im 16. Jahrhundert. Die weltberühmten Reformationsstätten in der Altstadt und in verschiedenen Epochen entstandene Gebäude zählen zu den bedeutendsten Stätten der deutschen Geschichte. Die Wirkungsstätten Martin Luthers, Philipp Melanchthons und Lucas Cranachs werden bereits seit Jahrhunderten von internationalen Gästen aufgesucht. Das Lutherhaus, das Melanchthonhaus, die Stadt- und die Schlosskirche sind als Luthergedenkstätten seit 1996 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Wittenberg war Hauptstadt des sächsischen Kurkreises und einst herzogliche und kurfürstliche Residenz von Sachsen-Wittenberg. Später wurde sie auch Zentrum der chemischen Industrie und ein wichtiger Eisenbahnbahnknotenpunkt an den Strecken Berlin–Leipzig und Magdeburg–Dresden.
Inhaltsverzeichnis |
Wittenberg liegt im Osten Sachsen-Anhalts am Nordufer der Elbe. Die durchschnittliche Höhe liegt bei etwa 70 Metern, wobei die Landschaft nach Norden hin langsam zum Fläming ansteigt. Hier befinden sich ausgedehnte Kiefernwälder, während die Elbauen südlich der Stadt flach und unbewaldet sind. Südlich von Wittenberg und südlich der Elbauen liegt die Dübener Heide. Westlich der Stadt erstreckt sich elbabwärts bis nach Schönebeck das Biosphärenreservat Mittelelbe. Rund zehn Kilometer östlich mündet die Schwarze Elster in die Elbe.
Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Lufttemperatur in Wittenberg beträgt 8,7 °C, der jährliche Niederschlag 563 Millimeter. Maßgeblichen Einfluss auf das Klima der Stadt, hat der Regenschatten des Harzes als Einflussgebiet und die sandige Umgebung der Stadt im Fläming, sowie der Dübener Heide. Ebenfalls bildet die Elbe als klimatischer Faktor eine Wetterschneise.
Die Speicherung von Wärme in den sandigen Sedimentsschichten kann zu klimatischen Phänomänen führen. Dies zeigte sich unter anderem an den Auswirkungen des Orkan Kyrill und 2002 als Binnen weniger Minuten ein Tornado das Gewerbegebiet am Rande der Stadt verwüstete. Den Ursprung des Orkans bildete ein plötzlich auftretender heftiger Niederschlag, der von Gewitter begleitet war und auf Warmluft im sandigen Sediment der Stadt, im Bereich von Piesteritz stieß. Häufig sind auch in der Wittenberger Umgebung Windhosen zu beobachten.
Ausgrabungsfunde aus verschiedenen prähistorischen Epochen auf dem Territorium der Lutherstadt Wittenberg lassen bereits eine frühzeitliche Besiedlung des Stadtgebietes vor zirka 10.000 Jahren erkennen. In einer Urkunde vom 12. April 965 (bei der es sich jedoch vermutlich um eine Fälschung aus dem Jahre 1000 handelt) ist überliefert, dass die Gegend, in der sich die heutige Lutherstadt Wittenberg befindet, als der slawische Gau Nizizi bezeichnet wurde. Dieser erstreckte sich entlang der Elbe von der Mündung der Schwarzen Elster (im Osten) bis zur Mündung der Mulde (im Westen).
Die ersten verlässlichen Erwähnungen, die auf das direkte Territorium der heutigen Lutherstadt Wittenberg zutreffen, stammen aus dem Jahr 973/1004. Dort werden die heutigen Ortsteile Pratau (Broth, 973) und Seegrehna (Grodisti, 1004) erwähnt. Die erste Erwähnung des Namens Wittenberg findet sich möglicherweise bereits im Jahre 1174, als ein Graf Thiedrich von Wittburc genannt wird, der offensichtlich der Burgward des in einer Urkunde des Bischofs Balderan von Brandenburg für das Kloster Leitzkau um 1187 erwähnten burchwardum…Wittenburg war, in dem ebenfalls eine Kirche erwähnt wird, die als Vorläuferin der heutigen Stadtkirche anzusehen ist.
Die Entwicklung der Stadt ist eng verbunden mit der Politik der Askanier. Nachdem Bernhard von Sachsen 1180 die Herzogswürde von Sachsen erhielt, erbte sein Sohn Albrecht I. das Gebiet um Wittenberg und die Herzogswürde Sachsens. Nach einer Urkunde vom 11. September 1227 errichtete seine Gemahlin ein Franziskanerkloster, was auf eine bevorzugte Stellung der Gemarkung bei den Askaniern hinweist. Sein Sohn Albrecht II., der gemeinsam mit seinem Bruder Johann I. von Sachsen-Lauenburg regierte, hatte durch dessen Abdankung von seinem Schwiegervater Rudolf von Habsburg die Kurwürde erhalten.
Da Albrecht II. sich ständig in Wittenberg aufhielt, wurde der Ort zu seiner Residenz von Sachsen-Wittenberg, und es entbrannte eine Auseinandersetzung mit der Sachsen-Lauenburgischen Linie. Wittenberg selbst hatte sich von einer Gemarkung mit Bauern, Handwerken und Kaufmannsleuten, begünstigt durch die Verkehrsgünstige Lage, zu einem Ort mit einem bestehenden Gemeinwesen entwickelt. Um sich die Treue seiner Untertanen zu sichern, verlieh Albrecht II. am 27. Juni 1293 Wittenberg das Stadtrecht. Damit wurden die Einwohner Wittenbergs in die Lage versetzt, das Bürgertum zu entwickeln.
Durch den weiteren Erwerb von Gerechtsamen stieg der Einfluss der Bürger Wittenbergs, die eine Selbstverwaltung entwickelten, die 1317 erstmals als Rat nachgewiesen ist. 1332 erlangt die Stadt die niedere Gerichtsbarkeit und konnte so den sich entwickelnden Gewerken der Bäcker, Fleischer, Schuh und Tuchmacher, einen regulierten entwickelten Rahmen geben. Dazu zählt auch das 1354 verliehene Marktrecht, die 1380 erhaltene Fährordnung, aber auch die mit dem Stadtrecht verliehene Erlaubnis zur Errichtung von Stadtmauern. So konnten die Hussiten 1429 die Stadt zwar belagern, doch nicht einnehmen.
Obwohl mit dem Erwerb von Gerechtsamen der Einfluss der Askanier in der Stadt sank, spielten diese in der Reichspoltik eine immer größere Rolle. Vor allem Rudolf I. führte Sachsen-Wittenberg mit einer geschickten Territorialpolitik vom Herzogtum, 1356 zum bestätigten Kurfürstentum. Damit erlangte Wittenberg den Status einer kursächsischen Hauptstadt. Lange sollte aber diese Phase nicht anhalten. Mit dem Tod Albrecht III. (Sachsen-Wittenberg) verloren die Askanier die sächsische Kurwürde an die Wettiner. Damit schwand auch der Status einer kurfürstlichen Residenz. Von Friedrich dem Streitbaren wurden Wittenberg zwar alle bis dahin erworbenen Rechte bestätigt und 1444 um die höhere Gerichtsbarkeit erweitert, dennoch entwickelte sich Wittenberg zunächst als Stadt ohne besondere Bedeutung weiter.
Durch die 1485 herbeigeführte Leipziger Teilung trennten sich die wettinischen Linien in Ernestiner und Albertiner. 1486 übernahm der Ernestiner Friedrich der Weise die Kurwürde. Fortan wurde Wittenberg wieder zur kurfürstlichen Residenz, der diese auszubauen begann. So errichtete man 1487 eine neue Elbbrücke, und 1490 begann der Kurfürst anstelle des alten Askanierschlosses, sein neues Residenzschloss und die neue Stiftskirche Allerheiligen zu errichten, sowie Wittenbergs Festungsanlagen weiter auszubauen.
Am Anfang des 16. Jahrhunderts hatte sich Wittenberg zu einer starken Festung an der mittleren Elbe entwickelt. Dennoch war es eine bescheidene Mittelstadt geblieben, die über ca. 2000 Einwohner verfügte. 1502 entschied sich Friedrich der Weise, in seiner neu errichteten Residenz die Universität Wittenberg zu errichten. Diese Universität war die erste von einem Landesherren[2] und nicht von der Kirche gegründete Universität im HRRDN. Von nun an wurde der kurfürstliche Hof zu einem Anziehungspunkt für schöpferische Kräfte. Weitere Bauten wie 1503 die Errichtung des Fridericianums (Altes Kollegium) als erstes Gebäude der Universität und 1504 die Errichtung des „Schwarzen Klosters“ der Augustinereremiten unterstützten diese Tendenz.
Neben Lucas Cranach dem Älteren, der 1505 in die Stadt gekommen war, wurde 1508 auch Martin Luther von der sich entwickelnden Stadt angezogen. Die Buchdruckerkunst wurde etabliert und die Stadt selbst erlebte einen stürmischen wirtschaftlichen sowie intellektuellen Aufschwung. Verstärkt wurde diese Tendenz, als am 31. Oktober 1517 Luther seine 95 Thesen der Öffentlichkeit bekannt machte. Dies übte eine große Anziehungskraft auf viele Gelehrte und Studenten aus, so dass die Wittenberger Akademie zu einer der bedeutendsten Akademien des 16. Jahrhunderts wurde. Es war eine moderne, dem Humanismus geöffnete Universität, an der 1518 auch Philipp Melanchthon lehrte und die bedeutende Gelehrte sowie hochrangige Fürsten besuchten.
Als Geburtsort der Reformation erlangte Wittenberg nach der Abkehr Luthers von römisch-katholischen Kirche mit Verbrennung der päpstlichen „Kanonischen Rechte“ und der Bannandrohungsbulle Exsurge Domine des Papstes Leo X. vor dem Elstertor weitere Bedeutung durch die Ereignisse der Wittenberger Bewegung. Von Wittenberg, das scherzhaft auch als das „Rom der Protestanten“ bezeichnet wird, gingen damit in der damaligen Zeit für die gesamte Welt entscheidende Impulse aus.
Auch wenn Wittenberg nach dem Tod Friedrichs des Weisen seine sächsische Hauptstadtfunktion an Torgau abgeben musste, blieb seine Stellung als Zentrum der Reformationsbewegung, z.B. bei der Wittenberger Konkordie, der ersten Lutherbibel erhalten. Um den steigenden Ansprüchen der wachsenden Bevölkerung in der damals territorial beschränkten Stadt gerecht zu werden, fanden während dieser Zeit umfangreiche Baumaßnahmen statt. 1526 wurde wiederum damit begonnen, die Festungsanlagen weiter auszubauen. Ein neues Rathaus und im späten 16. Jahrhundert eine Trinkwasserversorgungsanlage, das so genannte Röhrwasser, wurden errichtet.
Aus der Folge der Reformationsbewegung entstanden Auseinandersetzungen, die im Schmalkaldischen Krieg gipfelten. Dadurch kam es zur Wittenberger Kapitulation, wodurch Wittenberg als Zentrum des Kurkreises an die wettinische Linie der Albertiner überging. Da sich während der Reformationszeit ein Konsistorium und davor ein Hofgericht herausgebildet hatte, behielt Wittenberg auch für die Albertiner weiterhin Bedeutung. So entwickelten sich im Kurfürstentum Sachsen sowie in den anderen evangelischen Ländern zunehmend konfessionelle Auseinandersetzungen, wobei sich vor allem die Gnesiolutheraner durchsetzten und Wittenberg als Zentrum der lutherischen Orthodoxie etablierten.
Hatten zum Anfang des 17. Jahrhunderts Namen wie Daniel Sennert, Friedrich Taubmann oder August Buchner bedeutende Studenten in die Stadt gezogen, änderte sich dies mit dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Um den Anforderungen einer militärischen Auseinandersetzung gewappnet zu sein, verstärkte man 1626 die Festungsmauern und das Festungspersonal durch kampffähige Bürger. Obwohl Wittenberg in dieser Zeit glimpflich davon kam, hatten vor allem die kleineren Orte der Umgebung unter Brandschatzungen zu leiden. Deren Bevölkerung suchte in den schützenden Mauern der Stadt Zuflucht. Nahrungsmangel, der mit der häufig in der Stadt grassierenden Pest einherging, dezimierten die Bevölkerung, so dass zusätzliche Sterbebücher angelegt werden mussten. Dennoch konnte die Stadt sich 1637 den Angriffen des schwedischen Feldherrn Johan Banér erwehren. Als dieser sein Ziel nicht erreichte, brannte er am 17. Januar die hölzerne Elbbrücke Friedrichs des Weisen nieder.
Die militärischen Handlungen und ihre Folgen wirkten sich auch auf das Umfeld der Universität aus. Die Verrohung der Menschen führte des Öfteren zu Zusammenstößen der Studenten mit den in Wittenberg ansässigen Söldnern, die meist blutig endeten. Daher hatten zu jener Zeit die Wittenberger Scharfrichter alle Hände voll zu tun. Hinzu kamen auch die einsetzenden Hexenprozesse, wodurch viele Menschen einen qualvollen Tod auf dem Scheiterhaufen oder dem Schafott auf dem Wittenberger Marktplatz fanden. Auch aufgrund einer gewissen Erholung des akademischen Lebens, unter anderem durch so bedeutende Professoren wie Abraham Calov, Konrad Samuel Schurzfleisch, war in der Folgezeit wieder eine gewisse wirtschaftliche Erholung der Stadt erkennbar.
Die wiederum vom nordischen Krieg heimgesuchte Stadt überwand die schwedische Besatzung schnell. Bekannte Studenten wie Anton Wilhelm Amo und Gotthold Ephraim Lessing zeugen von der Anziehungskraft Wittenbergs. Mit Beginn des Siebenjährigen Krieges wurde Wittenberg abwechselnden Besatzungen unterzogen, mit dem Resultat, dass die Preußen am 27. August 1759 wieder in den Besitz der Festungsstadt kamen. Nachdem sie die Vorstädte abgebrannt hatten, um freies Schussfeld zu haben, lehnte der Stadtkommandant 1760 eine Kapitulation der Stadt vor der Reichsarmee ab. Daraufhin wurde Wittenberg von der Reichsarmee am 13. Oktober 1760 derart beschossen, dass das Schloss Wittenberg und dessen Kirche völlig niederbrannten. Die Preußen kapitulierten. Als Folge war ein großer Teil der Häuser zerstört; auch die ursprüngliche Thesentür war ein Opfer der Flammen geworden.
1764 hob die sächsische Regierung für die stark beschädigte Stadt das Festungsrecht auf. Die Aufbauarbeiten in der Stadt zogen sich nur schleppend hin. Erst 1770 konnte das Wittenberger Schloss in spätbarocken Formen am 6. August neu eingeweiht werden. Die Elbbrücke, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, wurde nach dreijähriger Bauzeit 1787 dem Verkehr übergeben. Auch Studenten zog es nicht mehr so stark in die zerstörte Stadt. 1795 zählte die Universität nur noch 366 Studenten.
Nachdem die vereinigte preußisch–sächsische Armee in der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 vom Kaiser Napoleon besiegt worden war, huldigte und unterwarf sich der sächsische Kurfürst Friedrich August Napoleon. Er schloss mit Napoleon am 11. Dezember 1806 Frieden und trat dem Rheinbund bei. Daraufhin erhob Napoleon Friedrich August zum König von Sachsen. Von nun an war der sächsische König Friedrich August Verbündeter Napoleons und unterstützte den französischen Kaiser als Verbündeter militärisch. Nachdem Napoléon am 23. Oktober 1806 die Stadt besichtigt hatte, wurde die Stadt auf seinen Befehl wieder zur Festung ausgebaut. Die Wittenberger Universität wurde nach Bad Schmiedeberg ausgelagert, und die Wittenberger Bürger mussten für die französischen Truppen Quartiere bereitstellen. In der Folge wurde Wittenberg zu einem französischen Durchgangsquartier, wobei die Wittenberger für die Versorgung aufkommen mussten. Insgesamt zogen 160.000 Franzosen durch die Stadt wobei 60.000 ständig als Besatzung vor Ort waren.
Während der Befreiungskriege rückte Wittenberg wiederum in den Blickwinkel der Öffentlichkeit. Jean François Cornu de Lapoype, der am 20. März 1813 die Kommandantur in Wittenberg angetreten hatte, ließ am 6. April die Häuser in den Vorstädten, die Bäume und Zäune, die die Festungsstadt umgaben, auf 900 Schritt niederreißen, um freies Schussfeld zu schaffen. Da die Bewohner teilweise gewaltsam am 5. April aus ihren Häusern vertrieben wurden, waren diese erbost über die Maßnahme, zumal sie nicht einmal ihre nötigste Habe sichern konnten. Nach der Schlacht bei Wartenburg verstärkten sich die Angriffe der gegnerischen Verbündeten auf die Festung, so dass es am 25. September zum größten Beschuss der Stadt durch die Preußen kam. Während der Kommandant in Torgau kapituliert hatte, lehnte dies Lapoype in Wittenberg ab. In der Stadt selbst herrschte immer mehr Not, die Wasserversorgung war zerstört und Lapoype musste die Lebensmittel rationieren. Zerstörung, Not, Elend, Krankheit und Hunger waren in der Stadt durch die Belagerung an der Tagesordnung.
Nachdem man dem Kommandeur am 12. Februar 1814 abermals die Kapitulation angeboten hatte, die er wiederum ablehnte, erfolgte ab 12 Uhr mittags bis 1 Uhr nachts, erneut ein intensiver Beschuss der Stadt. Dabei wurden innerhalb dieser Zeit 2477 Kanonenschüsse auf die Stadt abgegeben. Unter den Augen des Generals Bogislav Friedrich Emanuel von Tauentzien und des Prinzen August von Preußen, sowie der der Leitung des preußischen Generals Leopold Wilhelm von Dobschütz, erfolgte im Anschluss an die Kanonade 1 Uhr früh die Erstürmung der Stadt. Nach Verlusten von 100 Mann und 8 Offizieren hatten die Preußen die Stadt erobert und Lapoype im Keller des Schlosses gefangen gesetzt. Auch Lapoype hatte große Verluste. Hatte seine Truppe im Oktober 1813 noch 3000 Mann betragen, waren nach der Eroberung nur noch 2000 Mann kampffähig und 800 Mann lagen in den Lazaretten. Noch am selben Tag wurde der Gouverneur in Tauentzien’s Hauptquartier nach Coswig gebracht und dort verhört. Im Endeffekt dieser Auseinandersetzungen wurden alle 259 Häuser in den Vorstädten Wittenbergs und 37 Häuser in der Innenstadt zerstört. 100.000 Bäume sind den Schussfeldmaßnahmen von La Poype zum Opfer gefallen, unter anderem auch die Luthereiche. Die Sterblichkeit war seit dem Oktober 1813 viermal größer als üblich, so dass sich die Bevölkerungszahl um ein Drittel verminderte.
Auf Beschluss des Wiener Kongresses fielen drei Fünftel des Landes Sachsen, darunter Wittenberg, an Preußen. 1817 traf der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. die folgenschwere Entscheidung, die Wittenberger Universität aufzulösen und mit der Halleschen Hochschule zu vereinigen. Als Ersatz bekam Wittenberg ein evangelisches Predigerseminar, und Wittenberg entwickelte sich ab 1820 mit dem Einzug des Infanterieregiments 26 als Garnisonsstadt weiter. Das Wittenberger Schloss wurde als Kaserne umgebaut und das alte Universitätsgebäude musste ebenfalls einem Kasernenbau weichen.
Wittenberg durchwanderte den für die damalige Zeit typischen Wandlungsprozess als Festungsstadt. Schulen und das Gymnasium wurden weiterentwickelt. Eine neue Elbbrücke wurde 1847 übergeben. Mit der am 28. August 1841 erfolgten Einrichtung der ersten Bahnstrecke der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn erhielt Wittenberg eine Anbindung an das deutsche Schienennetz. Auch die Ereignisse der Märzrevolution 1848 gingen nicht spurlos vorüber. Daraufhin erfolgte eine Gründungswelle etlicher politischer Vereine, wobei sich der konservative Einfluss durchsetzte. Nachdem der erste Evangelische Kirchentag in der Schlosskirche stattgefunden hatte, wurde auf dem zweiten Evangelischen Kirchentag 1848 die Innere Mission von Johann Hinrich Wichern gegründet, die ein Vorläufer des heutigen Diakonischen Werkes ist.
Auf Befehl des Kaisers Wilhelm I. durch Kabinettsorder vom 30. Mai 1873 wurde unter der Leitung von Fritz Eunike am 11. Juni 1873 begonnen, die Festungsmauern um die Stadt abzureißen. An Stelle der Festungsanlage entstanden Grünanlagen. 1876 wurde Wittenberg an die Telegraphenlinie zwischen Berlin und Halle angeschlossen und 1893 erhielt Wittenberg ein neues Postgebäude. Durch die günstige Verkehrslage der Stadt kam es zur schnellen Ansiedlung von Betrieben, so dass sich im heutigen Ortsteil Reinsdorf bereits 1894 die Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff-Aktiengesellschaft mit einem Sprengstoffwerk angesiedelt hatte. Ebenfalls fanden während dieser Zeit der Maschinenbau, eine Eisengießerei und ein Gummiwerk in Wittenberg ein Zuhause.
Zunehmend entstand in Wittenberg eine Gedenkkultur der Reformationszeit. 1821 wurde in Wittenberg das Lutherdenkmal eingeweiht, 1830 die noch heute stehende Luthereiche neu gepflanzt, 1858 eine bronzene Thesentür gestiftet, 1865 das Melanchthondenkmal enthüllt, von 1877-1883 ein reformationsgeschichtliches Museum im Lutherhaus eingerichtet, am 31. Oktober 1892 im Beisein des Kaisers Wilhelm II. die restaurierte Schlosskirche eingeweiht und 1894 das Bugenhagendenkmal auf dem Kirchplatz enthüllt.
Der im 19. Jahrhundert entstandene Trend der industriellen Ansiedlung setzte sich auch im 20. Jahrhundert fort. 1906 nahm Wikana als Kant-Chokoladenfabrik ihren Betrieb auf. Mit der Errichtung des städtischen Elektrizitätswerkes setzte die durchgehende Elektrifizierung der Stadt ein. 1915 wurde im heutigen Ortsteil Piesteritz nach Plänen von Karl Janisch ein Stickstoffwerk errichtet. Im Rahmen dieses Aufbauwerkes wurden die Städtebauer Paul Schmitthenner und Otto Rudolf Salvisberg gewonnen, die die Piesteritzer Werkssiedlung entwarfen, die heute unter Denkmalsschutz steht.
So sehr sich Wittenberg zunehmend zur Industriestadt entwickelte, um so mehr wirkten sich auch die innenpolitischen Ereignisse Deutschlands auf die Stadt aus. Ob es die Mangelzeit des ersten Weltkrieges war, die Folgen des Kapp-Putsches, die der Novemberrevolution oder die nachfolgende Inflation. Jedes Ereignis fand auch in Wittenberg seinen Niederschlag und prägte das Leben in der Stadt. So kam es 1919 dazu, das Wittenberg seinen Status als Garnisonsstadt vorübergehend verlieren sollte. In Wittenberg selbst kam es im Rahmen der Industrialisierung zu einem immer größeren Anwachsen der Bevölkerung, so dass am 1. April 1922 Wittenberg den Status einer kreisfreien Stadt erhielt. Darauf folgend beschloss der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung der Stadt im Mai 1922 den Namen „Lutherstadt Wittenberg“ zu führen. Die offizielle Anerkennung erfolgte aufgrund von Schwierigkeiten bei der Bewilligung erst 1938.
In der Zeit des Nationalsozialismus fand am 13. Juni 1935 das schwerste Explosionsunglück seit Bestehen des Reinsdorfer Sprengstoffwerkes statt. Zahlreiche Tote und starke Schäden waren die Folgen. Im selben Jahr wurden in Wittenberg die Aradowerke errichtet, wo unter anderem unter schlechten Bedingungen Frauen aus dem KZ Ravensbrück zur Arbeit herangezogen wurden. Wittenberg wurde 1936 wieder Garnisonsstadt der Wehrmacht. In der „Kristallnacht“ 1938 kam es zur Randale vor jüdischen Geschäften und Wohnungen. In der Folge wurden jüdische Einwohner verhaftet und deportiert. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges rückten die in Wittenberg ausgebildeten Einheiten ins Feld und Ergänzungseinheiten nahmen ihre Stelle ein. Je länger der Krieg andauerte, umso mehr Todesanzeigen erschienen in der regionalen Presse. Die Fliegerangriffe mehrten sich, so dass die Arbeiter in den Rüstungsbetrieben kaum zur Ruhe kamen und dennoch die auf Hochtouren laufende Maschinerie am Leben erhielten. Obwohl die Bombenverbände hauptsächlich Berlin anflogen, beschädigten 1944 anglo-amerikanische Bombenabwürfe im östlichen Teil der Stadt mehrere Häuser und den Bahnhof. Um die Rüstungsindustrie aufrecht zu erhalten, wurde im Sommer 1944 ein Außenlager des KZ Sachsenhausen in Wittenberg errichtet. Vor dem Einmarsch der Roten Armee am 26. April 1945 wurden noch die Elbbrücke und die Flutbrücke im heutigen Ortsteil Pratau gesprengt.
Nach dem Einzug der sowjetischen Soldaten kam es wie in anderen deutschen Städten auch in Wittenberg zu Übergriffen auf die Bevölkerung. Erst allmählich konnte die Kommandantur der sowjetischen Truppen eine Klärung der chaotischen Zustände herbeiführen. In Zusammenarbeit der demokratischen Kräfte wurde der Aufbau des hinterlassenen Erbes veranlasst. Nachdem die schwersten Schäden beseitigt worden waren, begann auch wieder in Wittenberg Normalität einzuziehen.
Aus einem Kabarett entwickelte sich 1946 ein Theater, und im selben Jahr wurde die Lutherhalle wiedereröffnet. Die Rüstungsbetriebe wurden zerstört und man nahm die zivile Produktion wieder auf. Im Schloss wurde 1948 die Errichtung des Riemermuseums begonnen. Nach der Zeit der Bezugsmarken eröffnete man in Wittenberg einen freien Laden, in dem man damals noch sehr teuer einkaufen konnte. Mit der Gründung der DDR erhielt der Rat der Stadt wieder die Pflichten zur Amtsausübung. Als 1952 die Länder in der DDR aufgelöst wurden und Bezirke entstanden verlor Wittenberg den Status einer kreisfreien Stadt. Die fünfziger Jahre waren geprägt von einem engagierten Aufbauwerk für die Bevölkerung. So wurden eine Musikschule (1953), ein Schwimmbad (1953) und ein Kulturhaus errichtet. Auch wenn es während der Zeit des 17. Juni 1953 Proteste in kleineren Betrieben gab, wurden diese in den Großbetrieben durch Auffahren von Panzern unterbunden.
Da viele Menschen nach dem Krieg aus den ostpreußischen Gebieten nach Deutschland flüchteten, kam es in Wittenberg zu einer Wohnungsnot. Daher wurden in Kleinwittenberg erstmals von 1957–1963 erstmals Wohnungen in Großblockbauweise errichtet. Das Leben in Wittenberg entwickelte sich in den typischen Bahnen einer Stadt in der DDR. Auch wenn die Stadt 1979 aufgrund des Abzuges der in seit 1945 in Wittenberg stationierten sowjetischen Panzerdivision aufgrund der SALT-II-Verhandlungen ins Licht der Öffentlichkeit rückte, sollte sich einzig die kulturelle Bedeutung der Stadt als Ursprungszentrum der Reformation herauskristallisieren.
Nachdem man 1952 den 450. Jahrestag der Gründung der Wittenberger Universität begangen hatte, folgten 1953 der Gedenktag des 400. Todestag Lucas Cranachs d. Ä., ein großer historischer Festzug 1967. Ein internationales Symposium und ein akademischer Festakt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bildeten die Höhepunkte der 450-Jahrfeier der Reformation. Zu Ehren Philipp Melanchthons wurde in seinem ehemaligen Wohnhaus ein Memorialmuseum eröffnet. Eine Vielzahl von Ereignissen standen im Zeichen des Lutherjubiläums 1983. Zu Pfingsten erfolgte in der Stadtkirche die Weihe einer neuen Orgel. Die Lutherhalle eröffnete nach baulicher Umgestaltung und musealer Neugestaltung anlässlich der 500. Wiederkehr des Geburtstages Martin Luthers ihre Ausstellung. Die Restaurierungsarbeiten am Turm der Schlosskirche und an der Thesentür wurden abgeschlossen. Gäste aus 15 Ländern nahmen am Evangelischen Kirchentag teil. Dabei ließ Pfarrer Friedrich Schorlemmer ein Schwert zu einer Pflugschar umschmieden.
Obwohl das Stickstoffwerk 1970–1976 durch den Bau von zwei Ammoniak- und drei Harnstoffanlagen erweitert wurde und damit verbunden von 1971–1980 am nördlichen Stadtrand ein großes Wohngebiet in Plattenbauweise entstand, wurde die Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen in der Bevölkerung immer drängender. Nachdem 1989 die einsetzende Volksbewegung sich auch in Wittenberg mit 10.000 protestierenden Bürgern etabliert hatte, überschlugen sich die Ereignisse, bis es zur Öffnung der Mauer kam. Die folgenden politischen Veränderungen änderten auch das politische Umfeld in der Stadt. Dennoch sollten die Nachwirkungen dieser Ereignisse nicht ohne Folgen auch für Wittenberg bleiben. Es kam zu einer radikalen Stilllegung von Betrieben, woraus eine hohe Arbeitslosigkeit resultierte. Da der wirtschaftliche Rückhalt in der Stadt weggebrochen war, kam es zu einer massiven Abwanderungswelle, vor allem bei den jüngeren Generationen. Derzeit ist Wittenberg geprägt vom städtischen Rückbau, einer langsamen wirtschaftlichen Erholung und einer touristischen Entwicklung als Wallfahrtsort der Reformationsgeschichte. Der personelle Abgang wird sich laut offiziellen Gutachten fortsetzen, da keine sprunghafte wirtschaftliche Entwicklung, die Perspektiven auf dem ersten Arbeitsmarkt schaffen könnte, zu erwarten ist.
Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1791 handelt es sich meist um berechnete Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter, beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst.
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Das Wappen der Lutherstadt Wittenberg vermittelt mit seinen Symbolen ein Stück Stadtgeschichte. Am 27. Juni 1293 wird Wittenberg durch Herzog Albrecht II. das Stadtrecht verliehen. Es entsteht eine mittelalterliche Stadtgemeinde mit dem Rat als oberstem Verwaltungsorgan. Diesem Rat, erstmals 1317 nachgewiesen, überträgt man die Aufgabe, die Stadt im Innern durch Recht und Gesetzgebung zu regieren und die städtischen Einnahmen zu verwalten. Zur Beurkundung gebrauchte die Verwaltung ihr eigenes Siegel. Eine Darstellung auf dem vermutlich ältesten Wittenberger Stadtsiegelstempel, den die Verwaltung nutzte, und der aus der l. Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt, bildet in ihren Grundzügen die Vorlage für verschiedene Stadtwappen bis in die heutige Zeit.
Das Wappen symbolisiert, durch die mit Zinnen bekrönte Mauer, den dahinter liegenden und den seitlich freistehenden Türmen, eine seit 1409 stark befestigte Stadt.
Die beiden Schilde im Zentrum bilden zusammen das Wappen von Kursachsen. Rechts das sächsische Rautenkranzwappen in dem die schwarz-goldenen Balken auf die Hausfarben des askanischen Stammhauses verweisen. Der darüberliegende grüne Rautenkranz schmückt bereits 1262 das Schild des Stadtgründers Herzog Albrecht II. von Sachsen-Wittenberg.
1356 bestätigt Kaiser Karl IV. dem Herzog von Sachsen-Wittenberg die Kurwürde. Wittenberg wird kurfürstliche Residenz. Das Linke mit Schwertern belegte Schild steht für das mit der Kurwürde untrennbar verbundene Amt des Erzmarschalls des Römisch-Deutschen Reiches, das Rudolf l. nach Wittenberg bringt. Sowohl das sächsische Rautenkranzwappen als auch das Wappen mit den Kurschwertem werden nach dem Aussterben der Askanier im Jahr 1422 von den Wettinern weitergeführt.
Das im Schildfuß dargestellte fließende Wasser symbolisiert die Lage Wittenbergs an der Elbe. Der im Wasser schwimmende Fisch stellt einen Lachs dar, der früher reichlich in der Elbe vorhanden war und von großem Fischreichtum zeugte. So erhielten auch die Fischer, wie jedes Gewerk in der Stadt, 1422 ihre eigene Ordnung und der Lachs erhielt Einzug in das Wappen.
Als 1293 Wittenberg das Stadtrecht erhielt, führte ein „Vocatus“ (Vogt) die Verwaltung der Stadt. Die Bewohner des Ortes waren einst Leibeigene gewesen, die sich nun als Bürger nach und nach in Innungen organisierten. So geht die älteste Gründung der Tuchmacherinnung auf das Jahr 1300 zurück. Ein Rat mit einem Proconsul (Bürgermeister) und 7 Consulen (Ratsmitglieder) wird erstmalig 1317 erwähnt. Dieser übernahm zunehmend die Verwaltungsrechte der Stadt und dessen 4 Innungen (Tuchmacher, Schuhmacher, Fleischer und Bäcker), aus denen er zusammengesetzt war. Durch den ständigen Geldbedarf der Regenten konnte dieser Rat nach und nach verschiedene Rechte und Grundbesitze gegen Bezahlung von diesen erwerben. Durch verwandtschaftliche Ratswahlinteressen hatte sich im Laufe eines Jahrhunderts ein Patriziat gebildet. Dies wurde durch den Regenten um 1425 durch neue Satzungen geändert. Das Ratskollegium bestand nun aus 3 besonderen Räten, deren Zahl zusammen 24 betrug, die alle 3 Jahre einander in der Regierung abwechselten und die kurfürstliche Bestätigung benötigten. Im Laufe der Entwicklung der Stadt stiegen auch die Ansprüche an den Rat. Während anfänglich vorwiegend die Ratsmitglieder beratende Funktionen erfüllten, wurden nach und nach Funktionen an die Ratsmitglieder gekoppelt (Syndikus, Richter, Kämmerer, Bauherr, Beisitzer Bürgermeister etc.), und die Größe des Rates stieg damit an. 1696 wurde die Struktur des Rates auf eine ständig anhaltende Dienstzeit geändert. In der nachfolgenden Zeit entwickelten sich aus Funktionen im Rat Kommissionen, die bestimmte Thematiken der Stadt berieten. Der Titel des Oberbürgermeisters wurde 1703 und 1918 bereits auf königlichen Erlass ehrenhalber vergeben. Mit dem Erreichen einer Einwohnerzahl von 25.000 erhielt Wittenberg 1922 den Status einer kreisfreien Stadt. Damit erhielt das Stadtoberhaupt auch offiziell die Bezeichnung Oberbürgermeister. Durch die Verwaltungsreform vom 1. August 1950 wurde der Status der kreisfreien Stadt aufgehoben, womit auch der Titel des Oberbürgermeisters verschwand. Die Verwaltung der eingemeindeten Ortsteile Piesteritz, Kleinwittenberg, Teuchel, Trajuhn, Labetz und Wiesigk wurde in der Stadtverwaltung zentralisiert. 1994 wurde entsprechend der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalts wieder der Oberbürgermeistertitel eingeführt, dessen Beigeordneter trägt den Titel eines Bürgermeisters. Die eingemeindeten Stadtteile Apollensdorf, Reinsdorf, Pratau, Seegrehna, Nudersdorf und Schmilkendorf besitzen einen Ortsbürgermeister und einen Ortschaftsrat.
Die Lutherstadt Wittenberg setzt sich aus mehreren Ortsteilen zusammen: die Altstadt Wittenberg mit den dazugehörigen ursprünglichen Gemarkungen Elstervorstadt, Schlossvorstadt (1417), Friedrichstadt (1301 als Broder Annendorf) und Rothemark (1391). Durch Eingemeindungen gelangten 1938 Teuchel, 1938 Labetz, 1945 Kleinwittenberg, 1950 Wiesigk, 1950 Piesteritz, 1950 Trajuhn, 1974 Apollensdorf, 1993 Reinsdorf mit dem 1937 eingemeindeten Dobien und dem 1950 eingemeindeten Braunsdorf, 1993 Pratau mit dem 1929 eingemeindeten Wachsdorf, 1993 Seegrehna mit dem ehemaligen Vorwerk Bleesern, sowie 2005 Nudersdorf und Schmilkendorf hinzu. Am 1. Januar 2008 wurde Griebo nach Wittenberg eingemeindet.
Weiter gehören zu der Lutherstadt Wittenberg noch die Gemarkungen Apollensdorf Nord, Birkenbusch, Hohenroda, Kienberge, Luthersbrunnen und die Probstei. Diese sind den entsprechenden Ortsverwaltungen zugeordnet.
In einer Bürgerbefragung am 6. Mai 2007 stimmten 88% der Wähler der Gemeinde Mochau (Fläming) (bei einer Wahlbeteiligung von 55%) für eine Eingemeindung in die Lutherstadt Wittenberg. Der Gemeinderat ist nach sachsen-anhaltischem Landesrecht nicht an das Ergebnis der Bürgerbefragung gebunden.
Datenquelle: [3]
| Stadtteil/ Ortsteil |
Fläche (km²) |
Einwohner (31. Dezember 2005) |
|---|---|---|
| Wittenberg | 17,51 | 29.464 |
| Apollensdorf | 11,16 | 2.038 |
| Braunsdorf | 5,76 | 432 |
| Dobien | 4,98 | 1.534 |
| Griebo | 10.60 | 646 |
| Kleinwittenberg | 1,15 | 981 |
| Labetz | 4,44 | 473 |
| Nudersdorf | 4,97 | 1.053 |
| Piesteritz | 5,57 | 4.475 |
| Pratau | 17,12 | 2.028 |
| Reinsdorf | 4,21 | 999 |
| Rothemark | 1,05 | 857 |
| Schmilkendorf | 6,15 | 230 |
| Seegrehna | 27,45 | 924 |
| Teuchel | 5,82 | 1.107 |
| Tonmark | 2,60 | 232 |
| Trajuhn | 4,64 | 374 |
| Wachsdorf | 1,21 | 66 |
| Wiesigk | 3,09 | 73 |
Die Historie des Theaters in Wittenberg reicht weit über das 18. Jahrhundert, als die Theaterreformatorin Friederike Caroline Neuber zum Unwillen der Universitätsoberen im Rathaussaal von Wittenberg 1728 ihre Gastspiele gab. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Balzers Festsälen zeitweilig ein kleines Ensemble das durch die Kapelle der hiesigen Garnison verstärkt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg intensivierte sich das Theatergeschehen in Wittenberg. Die Kulturabteilung der sowjetischen Militärstadtverwaltung Wittenberg regte die Gründung eines kleinen Theaters an, das am 1. November 1945 mit der Operette „Im weißen Rößl“ und mit Gerhart Hauptmanns „Hamlet in Wittenberg“ eröffnet wurde, dass sich jedoch nicht lange hielt. Am 30. Mai 1946 erfolgte die Gründung des Stadttheaters in der Wichernstrasse. Finanzielle Probleme bereiteten diesem Theater jedoch das Ende. Am 14. September 1949 kam es zur Gründung des Elbe-Elster-Theaters als Wandertheater mit Hauptsitz in Wittenberg. Das Spielgebiet des Elbe-Elster-Theaters erstreckte sich dabei über 5 Bezirke der DDR und wurde unter anderem durch den dienstältesten Intendanten Helmut Bläss geleitet. In der Nachwendezeit verursachten verschiedene Gründe das Ende des zum Mitteldeutschen Landestheater umbenannte Elbe-Elster-Theaters, welches am 31. August 2002 aufgelöst wurde. Im Schlosshof wurde 1972 der „Brett’l Keller“ geschaffen, der mit Kabarettvorstellungen und kleinen Stücken zur beliebtesten Spielstätte werden sollte. In ihm werden gelegentlich noch heute verschiedene kleine Stücke aufgeführt.
Nach der Schließung des zuletzt „Mitteldeutsches Landestheater“ genannten Theaters entstand durch privates Engagement die „Phönix Theaterwelt“ als Theaterspielort in der Lutherstadt Wittenberg. Des Weiteren entwickelte sich ein Theaterjugendclub und eine Musikwerkstatt „Chamäleon“. Die „Capella Wittenbergensis“ bietet als Renaissancemusikensemble mit einem geistlichen und weltlichen Programm auf historischen Instrumenten eine kulturelle Bereicherung in der Lutherstadt. In der Kleinkunstbar „Barrik“ mit ihren Travestie-, Kabarett- und Musikabenden wird ein abwechslungsreiches Programm geboten. Seit 1996 veranstaltet die Stadt im Kultursommer besondere Open air-Theateraufführungen an den Originalschauplätzen der Lutherischen Reformation. Der Verein WittenbergKultur hat seit 2001 gemeinsam mit dem italienischen Regisseur Fernando Scarpa das Projekt Bühne Wittenberg ins Leben gerufen, das jährlich Theaterstücke mit Themen der Reformationszeit auf die Bühne bringt.
Die Lutherstadt Wittenberg wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr zum Industriestandort. International agierende Unternehmen (unter anderem SIG Combibloc und das Margarinewerk Pratau der Unilever Bestfoods) sowie eine breite Anzahl kommunaler und mittelständischer Betriebe (darunter bekannte Firmen wie Wikana), bestimmen die gegenwärtige Wirtschaftsstruktur. Ein großes lokales Unternehmen ist des Weiteren SKW Stickstoffwerke Piesteritz. Die Lutherstadt bietet als Eisenbahnknotenpunkt, mit der Bundeswasserstraße Elbe, mit einer guten Straßenanbindung, einem modernen Klärwerk und einer ausgeprägten Ressourcenanbindung in den 5 Gewerbegebieten ein innovatives Ansiedlungsumfeld. So gelang in den letzter Jahren die Ansiedlung von PCI Augsburg, Agrolinz Melamine International und anderen Unternehmen, insbesondere der chemischen und verarbeitenden Industrie.
Die Lutherstadt Wittenberg ist über die Autobahn A 9 (Anschlussstelle 6: Klein Marzehns, Anschlussstelle 7: Köselitz und Anschlussstelle 8: Coswig (Anhalt)) erreichbar. Die Bundesstraßen 2 und 187 kreuzen sich in der Kreisstadt Lutherstadt Wittenberg. Südlich der Elbe, im Gebiet des Landkreises Wittenberg, enden die Bundesstraßen 100 und 182 an der Bundesstraße 2 in der Gemeinde Eutzsch.
In der Lutherstadt Wittenberg kreuzen sich die Anhalter Bahn (Berlin–Lutherstadt Wittenberg–Halle (Saale)/Leipzig–München) und die Bahnstrecke Dessau-Falkenberg/Elster (Magdeburg/Dessau–Lutherstadt Wittenberg–Falkenberg/Elster/Dresden). Weiterhin existiert eine Nebenbahnstrecke, die Bahnstrecke Lutherstadt Wittenberg–Torgau/Eilenburg.
Lutherstadt Wittenberg hat Anschluss an die Fernverkehrslinien Hamburg–Berlin–Lutherstadt Wittenberg–Halle (Saale)/Leipzig–München (ICE-Halt im 2h-Takt) und Stralsund–Berlin–Lutherstadt Wittenberg–Halle (Saale)–Erfurt–Altenbeken–Düsseldorf (IC-Halt im 2h-Takt).
Im Regionalverkehr sind Bahnverbindungen mit dem SPNV-Unternehmen DB Regio in alle vier Himmelsrichtungen möglich. Es gibt alle zwei Stunden eine RE-Verbindung über die Bundeshauptstadt Berlin nach Rostock in Richtung Norden, in Richtung Süden erreicht man Halle (Saale) und Leipzig stündlich im Regionalverkehr mit einer RB-Linie. Ein Umstieg in Bitterfeld ist gegebenenfalls nötig. Des Weiteren gibt es in Richtung Osten eine stündliche Regionalverbindung mit einer Regionalbahn in das brandenburgische Falkenberg/Elster, über u. a. Jessen (Elster) und Annaburg. Letztendlich erreicht man von der Lutherstadt Wittenberg aus in Richtung Westen stündlich mit einer RB-Linie u. a. die Orte Coswig (Anhalt) und Dessau sowie, mit gegebenenfalls einem Umstieg in Roßlau (Elbe), die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg über u. a. Zerbst/Anhalt und Güterglück. Im Ortsteil Pratau zweigt eine eingleisige Nebenbahn (Bahnstrecke Lutherstadt Wittenberg–Torgau/Eilenburg) von der Hauptstrecke Berlin–Halle (Saale)/Leipzig–München nach Bad Schmiedeberg ab, auf der noch zunächst befristet bis August 2008 montags bis freitags Züge der Deutschen Regionaleisenbahn fahren. Die Teilstrecken Bad Schmiedeberg–Eilenburg und Pretzsch (Elbe)–Torgau werden bereits seit einigen Jahren nicht mehr bedient.
Folgende Bahnhöfe befinden sich auf dem Stadtgebiet der Lutherstadt Wittenberg:
Der ÖPNV wird seit dem 1. Januar 2007 durch den Unternehmensverbund Neuer Wittenberger Busverkehr durchgeführt. Dieser setzte sich in einem europaweiten Bieterwettbewerb durch. Der Unternehmensverbund wird durch mehrere regionale Busunternehmen gebildet. Das Liniennetz wurde infolge dessen verändert und es wurden neue Liniennummern vergeben. Zentraler Umsteigepunkt für Bus- und Bahnreisende ist in der Lutherstadt Wittenberg der ZOB, der Busbahnhof, mit direktem barrierefreiem Zugang zum Hauptbahnhof. Ein weiterer wichtiger Knotenpunkt, der von (fast) allen Buslinien angefahren wird, befindet sich in der Mauerstraße.
Vorgängerin des Busverkehrs war die Pferdebahn in Wittenberg (1888-1921).
Durch die direkte Lage an der Elbe verfügt die Lutherstadt Wittenberg über zwei Güterumschlaghäfen in Kleinwittenberg und Piesteritz sowie zwei Anlegestellen für die Passagierschifffahrt. Von dort aus werden Fahrten mit der MS „Lutherstadt Wittenberg“ nicht nur für Touristen angeboten, gefahren wird u. a. flussaufwärts in Richtung Torgau, vorbei am UNESCO-Biosphärenreservat Mittlere Elbe. Die Anlegestelle für die Passagierschifffahrt mit der MS „Lutherstadt Wittenberg“ befindet sich in direkter Nähe zum Gewerbepark Elbe und unweit des historischen Stadtzentrums.
Nicht nur die großen Männer der Reformationszeit Martin Luther, Philipp Melanchthon und Lucas Cranach hinterließen ihre Spuren in der Lutherstadt Wittenberg. Viel mehr noch als in der Rolle als Hauptstadt Kursachsens und als Residenzstadt Sachsen-Wittenbergs, wurde die Stadt durch die (im ausgehenden Mittelalter wohl bedeutendsten Universität Mitteleuropas) geprägt. Sie war Wirkungsstätte vieler Persönlichkeiten, die gleichzeitig Einfluss auf die Lutherstadt Wittenberg ausübten. Heute sind die Namen vieler Persönlichkeiten auf Gedenktafeln an den Häusern der Altstadt Lutherstadt Wittenbergs verzeichnet.
Siehe auch: Persönlichkeiten Wittenberg, Söhne und Töchter der Stadt
Die „Ehrenbürgerschaft der Lutherstadt Wittenberg“ ist die höchste Auszeichnung, die die Lutherstadt Wittenberg neben der „Ehrenurkunde der Lutherstadt Wittenberg“, der „Ehrenurkunde des Oberbürgermeisters der Lutherstadt Wittenberg“ und des „Lucas-Cranach-Preises der Lutherstadt Wittenberg“ vergeben kann. Nach der Ehrungssatzung der Lutherstadt Wittenberg, kann die Ehrenbürgerschaft nur an lebende Personen verliehen werden und erlischt mit dem Tod der Person. Am 8. August 1976 beschloss der Rat der Lutherstadt Wittenberg, dass Hans Lorbeer postum zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wird. Aufgrund der Gültigkeit der damaligen Rechtslage, ist er als der letzte Ehrenbürger der Lutherstadt Wittenberg anzusehen.
Die Lutherstadt war Namensgeber für einige Verkehrsmittel: